Alleinarbeit im Handwerk: was allein geht – und was nie
Samstag, 23 Uhr: Der Heizungsnotdienst fährt allein zu einem Kunden, den er nicht kennt, in einen Keller, den er nie gesehen hat. Montag, 17 Uhr: Der Monteur bleibt als Letzter im Rohbau, die anderen Gewerke sind weg. Im Handwerk ist Alleinarbeit Alltag – und anders als in den meisten Branchen läuft die Grenze zwischen „allein mit Meldesystem“ und „nie allein“ mitten durch den Arbeitstag. Diese Seite zeigt, wo sie verläuft, wie ein Betrieb sie sauber beurteilt und was er belegen muss.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Handwerk entscheidet die Tätigkeit, nicht der Tag: Dieselbe Person kann morgens eine zweite Person brauchen und abends allein arbeiten dürfen.
- Absturz ohne kollektiven Schutz, Arbeiten unter Spannung, enge Räume, Atemschutz, Feuerarbeiten im Ex-Bereich und Motorsäge: nie allein – ein Meldesystem ändert daran nichts.
- Für die vielen zugänglichen Standardeinsätze braucht es eine Meldeeinrichtung mit Intervall, Kette und Protokoll je Einsatz; der Notdienst ist als eigener Einsatztyp zu beurteilen.
Dieselbe Person kann um 16 Uhr an der Maschine eine zweite Person brauchen und um 18 Uhr beim Aufräumen allein arbeiten dürfen. Beurteilt wird Tätigkeit für Tätigkeit. Was Alleinarbeit grundsätzlich verlangt
Was gilt
Wer außerhalb von Ruf- und Sichtweite zu anderen arbeitet, ist Alleinarbeitender (DGUV Regel 100-001, Abschnitt 2.7.2) – auf der Baustelle wie in der Werkstatt. Die Beurteilung ist Pflicht (§ 5 ArbSchG, § 3 DGUV Vorschrift 1). Trifft gefährliche Arbeit auf Alleinarbeit, verlangt § 8 Abs. 2 DGUV Vorschrift 1 zusätzliche Personenschutzmaßnahmen – und für einen Kern von Tätigkeiten schließen die Regelwerke Alleinarbeit ganz aus.
Was oft falsch läuft
„Das hat er immer allein gemacht“ – bei einer Tätigkeit, für die eine zweite Person vorgeschrieben ist. „Auf der Baustelle sind doch die anderen Gewerke“ – die wissen nicht, wo er gerade ist, und um 17 Uhr ist die Baustelle leer. Und der umgekehrte Fehler: Doppelbesetzung für alles, weil niemand getrennt hat, was allein geht.
Was Sie belegen müssen
Die Beurteilung nach Einsatztypen, die Liste der Tätigkeiten, die nie allein stattfinden – in Betriebsanweisung und Dienstplan –, die Meldeeinrichtung mit Intervall und Kette für alles andere, und je Einsatz das Protokoll mit Zeitstempeln (§§ 3, 6 ArbSchG).
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Warum im Handwerk die Grenze durch den Arbeitstag läuft
In der Reinigung oder im Nachtdienst ist die Tätigkeit über die ganze Schicht ähnlich; eine Stufe trägt den Abend. Im Handwerk wechselt die Gefährdung von Stunde zu Stunde: Aufmaß im Erdgeschoss, dann die Leiter, dann der Schacht, dann die Kreissäge in der Werkstatt. Die DGUV Information 212-139 bemisst die Gefährdungsstufe an einer Frage – bleibt die Person nach einem Notfall handlungsfähig? –, und für die prägenden Risiken des Handwerks lautet die ehrliche Antwort oft Nein: Absturz, Stromdurchgang, das Erfasstwerden von rotierenden Teilen.
Der gangbare Weg ist deshalb die Beurteilung nach Einsatztypen statt nach Tagen oder Adressen: Montage im zugänglichen Raum, Arbeiten in der Höhe, Arbeiten an elektrischen Anlagen, Schächte und enge Räume, Werkstatt, Notdienst und Einsätze in Randzeiten. Für jeden Typ eine Stufe, eine Maßnahme, eine Regel – und der Auftrag trägt den Typ. Für Service- und Wartungseinsätze in fremden Objekten führt die Seite → Alleinarbeit im Außendienst das weiter aus.
Was nie allein stattfindet
Unabhängig von jeder Stufendiskussion gilt für einen Kern von Tätigkeiten: nicht allein. Die Verbote stehen in den Regeln für die jeweilige Tätigkeit:
- Arbeiten mit Absturzgefahr ohne kollektiven Schutz – wo nur persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz schützt, muss die Rettung innerhalb kurzer Zeit gesichert sein; ein im Gurt hängender Mensch muss in Minuten gerettet werden. Das setzt praktisch eine zweite Person voraus.
- Arbeiten an unter Spannung stehenden Anlagen – eine zweite Person, die freischalten und Erste Hilfe leisten kann (DGUV Vorschrift 3, DGUV Regel 103-011).
- Behälter, Schächte, enge Räume – Sicherungsposten außerhalb (DGUV Regel 113-004).
- Atemschutz gegen gefährliche Atmosphäre – Sicherungsposten (DGUV Regel 112-190).
- Feuerarbeiten in brand- oder explosionsgefährdeten Bereichen – ist eine Brand- oder Explosionsgefahr nicht auszuschließen, gehört zum Schweißen, Schneiden oder Trennen eine Brandwache während der Arbeiten (DGUV Information 205-001, Abschnitt 7.4.7).
- Motorsäge- und Fällarbeiten – nicht allein (DGUV Regel 114-018).
Dazu kommt ein Prüfpunkt für die Werkstatt: Wer allein an Kreissäge, Drehbank oder Presse arbeitet, gehört in die Risikobeurteilung – sind Maßnahmen zur Risikominimierung nicht möglich, ist Alleinarbeit dort nicht zulässig (DGUV Regel 112-139). Die Liste ist eine Orientierung, keine abschließende Aufzählung; welche Regel für Ihr Gewerk gilt, sagt Ihre Berufsgenossenschaft. Und ein Meldesystem verschiebt diese Grenze nicht – auch dann nicht, wenn die Anfahrt zu zweit teurer ist. → Wann Alleinarbeit verboten ist
Sehen Sie in 30 Minuten, wie ein Meldesystem die Einsätze trägt, die allein zulässig sind: Einsatzstart, Intervall je Einsatztyp, Kette, Protokoll.
Demo anfragenWas allein geht – und was es dafür braucht
Der größere Teil der Handwerksarbeit ist trotzdem allein zulässig: Montage im zugänglichen Raum, Aufmaß, Kleinreparatur am Boden, Aufräumen ohne laufende Maschinen. Dort bliebe die Person nach einem Unfall in der Regel handlungsfähig – aber ohne System wäre sie stundenlang unbemerkt, weil auf der leeren Baustelle oder in der abgeschlossenen Werkstatt niemand vorbeikommt. Für diese Einsätze muss eine Meldeeinrichtung Folgendes können:
- Einsatzstart je Einsatz: Das System weiß, dass jetzt ein Einsatz läuft – auf welcher Baustelle, für welchen Typ.
- Intervalle je Einsatztyp: festgelegt vom Betrieb aus der Beurteilung, in Randzeiten und beim Notdienst enger.
- Erkennung auf der Gegenseite: Das Ausbleiben bemerkt der Server – nicht der Meister, der längst zu Hause ist.
- Eine Kette, die abends trägt: Meister oder Rufbereitschaft, Inhaber, und jemand, der die Einsatzadresse aus dem Auftrag kennt und den Rettungsdienst hinschicken kann.
- SOS ohne Umweg: ein Knopf, der sofort alarmiert – auch für den Konflikt beim Notdienst.
- Ein Protokoll je Einsatz: Beginn, Bestätigungen, Ende, mit Zeitstempeln – für die eigene BG und für den Auftraggeber, der nachfragt.
Auf der Baustelle kommt die Abstimmung dazu: Werden Beschäftigte mehrerer Arbeitgeber an einem Arbeitsplatz tätig, müssen die Arbeitgeber zusammenarbeiten, sich über die Gefahren unterrichten und Maßnahmen abstimmen (§ 8 ArbSchG). Wer allein nach den anderen Gewerken bleibt, gehört in diese Abstimmung.
Solavo ist für die Einsätze der Stufe „gering“ entlang dieser sechs Punkte gebaut – und ausdrücklich nicht für die Liste oben. → App und Dashboard ansehen
So läuft das mit Solavo
Der Monteur startet den Einsatz beim Eintreffen in der App und bestätigt im Intervall, das der Betrieb vorgibt – als Vorgabe je Person oder im Dienstplan je Einsatz, beim Start anpassbar. Bleibt die Bestätigung aus, erkennt das der Server: Erinnerung, Kulanzzeit, dann SMS an die Eskalationskette, Stufe für Stufe, bis jemand übernimmt oder die Kette durchlaufen ist. Der SOS-Knopf alarmiert sofort; nur dann werden zusätzlich Koordinaten übermittelt. Über den Link in der Alarm-SMS sehen die Kontakte bei jedem Alarm den hinterlegten Standort aus den Stammdaten – nie eine laufende Ortung, nie im Hintergrund. Schichten, Check-ins und Alarme werden automatisch mit Zeitstempel protokolliert und lassen sich als PDF oder Tabelle exportieren.
Was Solavo nicht ist: eine Personen-Notsignal-Anlage und kein Ersatz für die zweite Person bei Absturz-, Spannungs- und Schachtarbeiten. Diese Grenze steht in Ihrer Beurteilung, nicht in unserer App. Was Solavo nicht abnimmt: die Beurteilung nach Einsatztypen. Und Solavo ist kein Notruf; alarmiert werden ausschließlich die Kontakte, die Ihr Betrieb hinterlegt hat.
Für den Einstieg gibt die kostenlose Muster-Vorlage im Ratgeber die Struktur. Die Handwerk-Fassung der Muster-Gefährdungsbeurteilung mit vorausgefüllter „Nie allein“-Liste ist als Zusatzleistung buchbar.
Häufige Fragen
Was allein geht, sauber abgesichert.
In 30 Minuten gehen wir Einsatzstart, Intervall je Einsatztyp, SOS und die Kette zur Rufbereitschaft an Ihrem eigenen Ablauf durch, unverbindlich.
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Die Tätigkeiten, die eine zweite Person verlangen, und was für die übrige Alleinarbeit gilt.
Einsätze in fremden Objekten: Beurteilung nach Einsatztypen statt Adressen.
Wie die Beurteilung aufgebaut ist und was hinein muss, mit Muster-Vorlage zum Herunterladen.
ArbSchG §§ 3, 5, 6, 8, 13 ↗ · DGUV Vorschrift 1 §§ 3, 8 ↗ · DGUV Vorschrift 3 ↗ · DGUV Regel 100-001, Abschnitt 2.7.2 ↗ · DGUV Regel 103-011 ↗ · DGUV Regel 112-190 ↗ · DGUV Regel 112-139 ↗ · DGUV Regel 113-004 ↗ · DGUV Regel 114-018 ↗ · DGUV Information 205-001 ↗ · DGUV Information 212-139 ↗ · SGB VII §§ 110, 111 ↗
Stand: 26. September 2026