Rettungskette bei Alleinarbeit: Das erste Glied ist das, was fehlt
Jede Rettungskette beginnt gleich: Jemand bemerkt, dass ein Mensch Hilfe braucht. Im Betrieb ist das ein Kollege, im Laden ein Kunde, auf der Station eine Pflegekraft. Bei Alleinarbeit ist da niemand – und alle folgenden Glieder, vom Notruf bis zum Rettungsdienst, hängen an dem einen, das fehlt. Diese Seite erklärt, was die Rettungskette ist, was § 10 ArbSchG und die DGUV Vorschrift 1 vom Arbeitgeber verlangen und wie eine Eskalationskette das erste Glied ersetzt, wenn keine zweite Person da ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Rettungskette beginnt damit, dass jemand den Notfall bemerkt. Bei Alleinarbeit fehlt genau dieses erste Glied.
- Die Lösung dreht das Glied um: Nicht die Person meldet den Notfall – das Ausbleiben ihrer Meldung ist der Notfall.
- Eine Eskalationskette braucht Stufen, Fristen, eine letzte Stelle, die vor Ort kann, und ein Protokoll.
Sofortmaßnahmen · Notruf · Erste Hilfe · Rettungsdienst · Krankenhaus – so beschreibt die DGUV Information 204-022 die Rettungskette. Bei Alleinarbeit fällt das erste Glied aus, wenn die Person es nicht selbst auslösen kann. Was Alleinarbeit grundsätzlich verlangt
Zum Einordnen: 345 Menschen starben 2024 infolge eines Arbeitsunfalls, im Schnitt fast einer je Kalendertag. Wie viele Kettenglieder zwischen Unfall und Hilfe lagen, weist keine Statistik aus. (DGUV, Arbeitsunfallgeschehen 2024)
Was gilt
§ 10 ArbSchG verpflichtet den Arbeitgeber, Maßnahmen für Erste Hilfe und sonstige Notfälle zu treffen – einschließlich der Verbindung zu außerbetrieblichen Stellen wie dem Rettungsdienst. Die DGUV Vorschrift 1 konkretisiert das in §§ 24 bis 28: Ersthelfer, Material, und in § 25 ausdrücklich Meldeeinrichtungen, mit denen im Notfall Hilfe herbeigerufen werden kann. Für Alleinarbeit ist die Meldeeinrichtung nicht ein Baustein, sondern der einzige.
Was oft falsch läuft
Der Betrieb hat Ersthelfer ausgebildet, den Verbandkasten geprüft und den Notrufplan ausgehängt. Alles richtig, alles für den Fall, dass jemand den Notfall bemerkt. Für die Reinigungskraft, die nachts allein im Gebäude stürzt, greift nichts davon: Der Ersthelfer ist zu Hause, der Verbandkasten hängt im ersten Stock, und den Notruf wählt niemand. Die Rettungskette ist vollständig – und beginnt nie.
Was Sie belegen müssen
Dass für die Alleinarbeit eine Meldeeinrichtung festgelegt ist, die das erste Glied ersetzt: Sie erkennt, dass die Person nicht mehr reagiert, und sie erreicht jemanden, der die Kette in Gang setzt. Und dass diese Eskalation vorher feststeht – wer, in welcher Reihenfolge, mit welcher Frist – und im Ernstfall protokolliert wurde.
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Was die Rettungskette ist
Die DGUV Information 204-022 („Erste Hilfe im Betrieb") beschreibt die Rettungskette als Abfolge von fünf Gliedern: Sofortmaßnahmen am Unfallort, Notruf, Erste Hilfe durch Ersthelfer, Rettungsdienst, ärztliche Versorgung im Krankenhaus. Das Bild der Kette ist bewusst gewählt: Sie ist so stark wie ihr schwächstes Glied, und jedes Glied setzt das vorherige voraus. Ohne Notruf kein Rettungsdienst; ohne jemanden, der den Notfall bemerkt, kein Notruf.
Im normalen Betrieb ist das erste Glied selbstverständlich. Jemand sieht den Sturz, hört den Schrei, wundert sich, warum der Kollege nicht zurückkommt. Deshalb konzentrieren sich die Vorschriften auf die Glieder danach: Wie viele Ersthelfer (§ 26 DGUV Vorschrift 1), welches Material (§ 25), welche Meldeeinrichtungen, welche Aushänge.
Warum Alleinarbeit die Kette an der ersten Stelle unterbricht
Bei Alleinarbeit ist niemand da, der bemerkt. Das erste Glied hängt vollständig an der Person selbst: Kann sie nach dem Vorfall noch zum Telefon greifen? Wenn ja – Stufe „gering" nach DGUV Information 212-139 – genügt eine Meldeeinrichtung, die sie bedienen kann. Wenn nein – Stufe „erhöht" oder „kritisch" – muss das erste Glied technisch ersetzt werden: durch einen willensunabhängigen Alarm oder eine zweite Person.
Aber auch bei Stufe „gering" gibt es eine Lücke, die oft übersehen wird: Die Person kann Hilfe rufen – wenn sie bei Bewusstsein ist und ein Telefon in Reichweite hat. Was, wenn sie das Telefon nicht erreicht, oder wenn der Sturz sie zwar handlungsfähig lässt, aber der Anruf ins Leere geht, weil nachts niemand abnimmt? Dann ist das erste Glied formal vorhanden und praktisch unterbrochen.
Deshalb verlangen die Berufsgenossenschaften bei Alleinarbeit nicht nur eine Möglichkeit zum Hilferuf, sondern eine Meldeeinrichtung, deren Ausbleiben bemerkt wird – zeitgesteuerte Kontrollanrufe, Meldesysteme mit festem Intervall (BG RCI, Praxishandbuch A 1.24; BGHM, Checkliste Alleinarbeit). Das erste Glied wird umgedreht: Nicht die Person meldet den Notfall, sondern das Ausbleiben ihrer Meldung ist der Notfall.
Die Eskalationskette: das erste Glied als Organisation
Eine Eskalationskette ist die organisatorische Antwort auf das fehlende erste Glied. Sie legt vorher fest, was passiert, wenn eine Meldung ausbleibt: Wer wird zuerst informiert? Wie lange hat diese Person, um zu reagieren? Wer kommt danach? Und was ist die letzte Stufe, wenn niemand reagiert?
Eine Kette, die funktioniert, hat vier Eigenschaften:
Sie ist vorher festgelegt, nicht um 2 Uhr nachts improvisiert. Die Reihenfolge, die Fristen und die Kontakte stehen in der Gefährdungsbeurteilung oder der Betriebsanweisung.
Sie erreicht Menschen, die reagieren können – nicht die Zentrale, die nachts nicht besetzt ist, sondern eine Rufbereitschaft, eine Objektleitung mit Schlüssel, notfalls die Geschäftsführung.
Sie endet bei jemandem, der vor Ort kann. Die letzte Stufe muss die Person tatsächlich erreichen oder den Rettungsdienst rufen können, mit Adresse und Zugang.
Und sie protokolliert jeden Schritt: wann die Meldung ausblieb, wann welche Stufe informiert wurde, wer übernommen hat. Ohne Protokoll lässt sich hinterher nicht belegen, dass die Kette gelaufen ist.
Sehen Sie in 30 Minuten, wie eine Eskalationskette mit Fristen, Stufen und Protokoll an Ihrem eigenen Ablauf aussieht.
Demo anfragenWas in der Eskalationskette stehen muss
- Auslöser: Nach wie vielen Minuten ohne Meldung beginnt die Kette, und gibt es vorher eine Erinnerung an die Person selbst?
- Stufe 1: Wer wird zuerst informiert, auf welchem Weg (SMS, Anruf), und wie lange hat die Person, um zu übernehmen?
- Stufe 2, 3, …: Wer folgt, wenn Stufe 1 nicht übernimmt – mit denselben Angaben.
- Letzte Stufe: Wer kann vor Ort sein oder den Rettungsdienst mit Adresse und Zugang alarmieren?
- Übernahme: Woran erkennt das System, dass jemand übernommen hat, und was passiert danach? Bleibt die Person weiter überwacht?
- Standortabhängigkeit: Gilt für jeden Standort dieselbe Kette, oder braucht das Objekt in der anderen Stadt eigene Kontakte?
- Nachweis: Wo steht hinterher, was wann passiert ist?
Solavo bildet diese Punkte ab: Eskalationskette je Standort, Stufen mit Fristen, Benachrichtigung per SMS (kein Anruf), Übernahme per Link, Protokoll mit Zeitstempel. → App und Dashboard ansehen
Zwei Schritte: erst Ihr eigener Ablauf, dann derselbe ungünstigste Fall mit einer strukturierten Eskalationskette wie bei Solavo.
1. Wie lange dauert es bei Ihnen aktuell?
2. So sieht es mit Solavo aus
Starter bis 2 Stufen, Business bis 5, Enterprise unbegrenzt.
Tragen Sie oben Ihre aktuelle Zeit ein, um sie mit der Eskalationskette zu vergleichen.
Beide Zeiten sind der ungünstigste, nicht der wahrscheinliche Fall. Übernimmt jemand früher, endet die Kette dort. Eine Übernahme ist eine Rückmeldung, keine Zusage, dass Hilfe unterwegs ist. Solavo ist kein Notruf und keine Notrufzentrale – alarmiert werden ausschließlich die Kontakte, die Ihr Betrieb hinterlegt hat.
Demo anfragenSo läuft das mit Solavo
In Solavo hinterlegt der Betrieb je Standort eine Eskalationskette: Stufe 1, Stufe 2 und weitere (Anzahl der Stufen je nach Paket), jeweils mit Mobilnummer. Die Kontakte brauchen keine App. Bleibt ein Check-in aus, erinnert die App zuerst die Person selbst; erst nach der Kulanzzeit geht eine SMS an Stufe 1. Übernimmt niemand, folgt die nächste Stufe, bis jemand übernimmt oder die Kette durchlaufen ist. Übernehmen heißt: den Link in der SMS antippen, ohne Anmeldung, ohne App. Ein SOS-Knopf startet die Kette sofort. Schichten, Check-ins, Alarme und Übernahmen werden automatisch mit Zeitstempel protokolliert.
Was Solavo nicht ist: eine Personen-Notsignal-Anlage mit willensunabhängigem Alarm. Für Stufe „erhöht" sieht die DGUV Hardware vor. Was Solavo nicht tut: entscheiden, ob Hilfe unterwegs ist. Eine Übernahme ist eine Rückmeldung, keine Zusage. Solavo ist kein Notruf; alarmiert werden ausschließlich die Personen, die Ihr Betrieb hinterlegt hat – bei einem medizinischen Notfall gilt die 112.
Häufige Fragen
Das erste Glied lässt sich organisieren.
In 30 Minuten gehen wir Auslöser, Stufen, Übernahme und Nachweis an Ihrem eigenen Ablauf durch, unverbindlich.
Weiterlesen
Warum nachts dieselbe Tätigkeit anders zu bewerten ist.
Was die Gefährdungsstufe entscheidet, was „willensunabhängig" heißt, wo eine App reicht.
Definition, Arbeitgeberpflichten, die drei Gefährdungsstufen der DGUV und was die Aufsicht sehen will. Die Seite, mit der man anfängt.
ArbSchG §§ 3, 6, 10 ↗ · DGUV Vorschrift 1 §§ 24–28 ↗ · DGUV Information 204-022, Abschnitt 2.2 ↗ · DGUV Information 212-139 ↗ · DGUV Regel 112-139 ↗ · BG RCI, Praxishandbuch A 1.24 ↗ · BGHM, Checkliste Alleinarbeit (06/2020) ↗
DGUV, Arbeitsunfallgeschehen 2024 ↗
Stand: 24. September 2026