Alleinarbeit im Lager: zwischen Regalen hört Sie niemand
Ein Lager wirkt nie ganz leer: Irgendwo brummt ein Ladegerät, irgendwo steht ein Lkw. Aber der Kommissionierer in der Spätschicht, die eine Kraft im Außenlager, der Kollege im Kühlhaus: Sie arbeiten außerhalb von Ruf- und Sichtweite, zwischen Regalzeilen, die jeden Ruf schlucken. Zuständig ist meist die BGHW. Diese Seite erklärt, wann Lagerarbeit Alleinarbeit ist, welche Situationen die Beurteilung gesondert bewerten muss (Rampe, Kühlhaus, Randzeiten) und wo Flurförderzeuge und Anlagen eine Grenze ziehen, die ein Meldesystem nicht verschiebt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Halle wirkt belebt, die Gasse ist es nicht – zwischen hohen Regalen ist jede Zeile ein eigener Raum.
- Kühlhaus, Rampe und Randzeiten gehören als eigene Situationen mit eigenen Intervallen in die Beurteilung.
- Stapler und Anlagen in Einzelbesetzung folgen der Werkstatt-Logik: dort reicht ein Check-in-System nicht.
Das einzige Kriterium der DGUV. Im Lager ist es das trügerischste: Hallen wirken belebt, aber zwischen hohen Regalzeilen ist jede Gasse ein eigener Raum, in dem niemand einen Sturz sieht oder hört. Die Definition im Detail
Zum Einordnen: 32,6 Prozent der 164.912 Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle des Jahres 2024 ereigneten sich im industriellen und gewerblichen Bereich – Hallen, Rampen, Gassen. Wer dort allein stürzt, fällt in die größte Einzelkategorie dieser Statistik. (DGUV, Arbeitsunfallgeschehen 2024, Tab. 43)
Was gilt
Wer allein kommissioniert, verlädt oder kontrolliert – ohne Kollegen in Ruf- und Sichtweite – ist Alleinarbeitender (DGUV Regel 100-001, Abschnitt 2.7.2); die Halle als Ganzes zählt nicht, die Gasse zählt. Die Gefährdungsbeurteilung muss die Alleinsituationen des Lagers erfassen und dokumentieren (§§ 5, 6 ArbSchG, § 3 DGUV Vorschrift 1).
Was oft falsch läuft
„In der Halle ist immer jemand" – in der Halle ja, in Gasse 14 nicht. „Der Scanner zeigt doch, wo er zuletzt gebucht hat" – der Scanner zeigt Arbeit, nicht Wohlergehen, und die letzte Buchung kann Stunden her sein, bevor es auffällt. „Nachts fährt eh keiner Stapler" – und genau deshalb ist der eine, der es doch tut, der ungesichertste Mensch im Betrieb.
Was Sie belegen müssen
Dass die Alleinsituationen beurteilt sind – Spät- und Nachtschicht, Außenlager, Kühlhaus, Rampe –, welche Meldeeinrichtung mit welchem Intervall gilt, welche Tätigkeiten allein tabu sind, und je Schicht das Protokoll mit Zeitstempeln (§§ 3, 6 ArbSchG). Nach einem Unfall fragt die BGHW genau danach (§§ 110, 111 SGB VII).
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Warum die volle Halle einsam ist
Das DGUV-Kriterium fragt nicht, wie viele Menschen im Gebäude sind, sondern wer in Ruf- und Sichtweite ist. Ein Hochregallager beantwortet das gnadenlos: Regalzeilen sind Sichtblenden und Schallschlucker zugleich; wer in Gasse 14 unter einer gekippten Palette liegt, ist von der Kollegin in Gasse 3 so weit entfernt wie von zu Hause. Dazu kommen die strukturell einsamen Orte jedes Lagers: das Außenlager auf der anderen Hofseite, die Rampe hinter dem Tor, das Kühlhaus mit geschlossener Tür, der Batterieladeraum, das Zwischengeschoss.
Und die Zeitachse verschärft es. Lager arbeiten in Randzeiten, in denen die Besetzung auf eine Handvoll oder eine einzige Person fällt: die Spätschicht, die noch Touren fertig macht, der Frühdienst, der vor allen anderen aufschließt, die Nacht-Kommissionierung im E-Commerce, der Wochenend-Notdienst. Genau dort, wo am wenigsten Menschen sind, sind die Wege zur Hilfe am längsten.
Kann während der Tätigkeit eine andere Person sehen oder hören, wenn etwas passiert?
Gemeint ist direkter Kontakt am selben Ort – ein Telefon oder Funkgerät in Reichweite zählt dabei nicht mit.
Die vier Situationen, die gesondert in die Beurteilung gehören
Die Einzelschicht. Eine Person in der Halle, planmäßig oder faktisch (Krankheit, Pause des Kollegen). Das Meldesystem mit festem Intervall ist hier die Maßnahme der Stufe „gering", solange die Tätigkeit selbst harmlos bleibt.
Das Kühlhaus. Geschlossene Türen, Kälte als eigener Zeitfaktor: Wer dort stürzt und liegen bleibt, hat weniger Zeit als anderswo. Kürzere Intervalle für Kühlhaus-Aufenthalte und klare Regeln (Tür, Anmeldung, maximale Aufenthaltsdauer) gehören in die Beurteilung.
Die Rampe. Absturzkanten, rangierende Lkw, Fahrer als betriebsfremde Personen: belebt, aber nicht abgesichert. Fahrer sind keine Kollegen im Sinne der Definition – sie kennen weder Notfallkette noch Gelände.
Flurförderzeuge und Anlagen allein. Hier verläuft die Grenze. Wer allein Stapler in engen Gassen fährt, unter angehobener Last arbeitet, an Förderanlagen Störungen behebt oder in Regalanlagen einsteigt, ist bei Tätigkeiten, bei denen ein Unfall die Handlungsfähigkeit nehmen kann – die Logik der Stufe „erhöht" und der harten Ausschlüsse, wie sie die Werkstatt-Seite ausführlich herleitet. Ein Check-in-System deckt das nicht; die Beurteilung muss diese Tätigkeiten trennen und für die Randzeiten regeln, was allein schlicht nicht stattfindet.
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Demo anfragenWas ein Meldesystem fürs Lager können muss
- Intervalle je Situation: Halle 60 Minuten, Kühlhaus enger. Festgelegt vom Betrieb, aus der Beurteilung.
- Erkennung auf der Gegenseite: Der Server bemerkt das Ausbleiben, nicht der Scanner, der nur Buchungen kennt, und nicht die Schichtleitung, die um 22 Uhr weg ist.
- Eine Kette für die Randzeiten: Schichtleitung, Bereitschaft, Betriebsleitung. Per SMS, ohne App beim Empfänger, mit Übernahme per Link.
- SOS für Rampe und Tor: ein Knopf für die Situation mit betriebsfremden Personen, ohne Ansage.
- Kein Tracking in der Halle: Die Kette weiß, welcher Standort läuft; wo genau die Person ist, wird nur bei selbst ausgelöstem SOS übermittelt – alles andere wäre das Bewegungsprofil, das der Betriebsrat zu Recht ablehnt.
- Ein Protokoll je Schicht und Standort, exportierbar für BGHW und Aufsicht.
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So läuft das mit Solavo
Die Kraft startet ihre Schicht in der App und bestätigt im Intervall, das der Betrieb vorgibt: als Vorgabe je Person oder im Dienstplan je Schicht, beim Schichtstart anpassbar, etwa enger für das Kühlhaus. Bleibt die Bestätigung aus, erkennt das der Server: Erinnerung, Kulanzzeit, dann SMS an die Eskalationskette des Standorts, Stufe für Stufe, bis jemand übernimmt oder die Kette durchlaufen ist. Der SOS-Knopf alarmiert sofort und ohne Ansage; nur dann werden zusätzlich Koordinaten übermittelt – nie im Hintergrund. Über den Link in der Alarm-SMS sehen die Kontakte bei jedem Alarm den hinterlegten Standort aus den Stammdaten. Schichten, Check-ins und Alarme werden automatisch mit Zeitstempel protokolliert und lassen sich als PDF oder Tabelle exportieren.
Was Solavo nicht ist: eine Personen-Notsignal-Anlage. Für Staplerarbeit in Einzelbesetzung, Störungsbehebung an Anlagen und alles, was Ihre Beurteilung als „erhöht" einstuft, sieht die DGUV willensunabhängige Alarme oder eine zweite Person vor. Was Solavo nicht abnimmt: die Beurteilung, die Halle, Kühlhaus und Rampe trennt. Und Solavo ist kein Notruf; alarmiert werden ausschließlich die Kontakte, die Ihr Betrieb hinterlegt hat.
Häufige Fragen
Gasse 14 braucht ein Intervall.
In 30 Minuten gehen wir Einzelschicht, Kühlhaus, Rampe und die Kette zur Bereitschaft an Ihrem eigenen Lager durch, unverbindlich. Und wo Stapler und Anlagen die Grenze ziehen, sagen wir das.
Weiterlesen
ArbSchG §§ 3, 5, 6 ↗ · DGUV Vorschrift 1 §§ 3, 8 ↗ · DGUV Regel 100-001, Abschnitt 2.7.2 ↗ · DGUV Information 212-139 ↗ · SGB VII §§ 110, 111 ↗ · BGHW ↗
DGUV, Arbeitsunfallgeschehen 2024 ↗
Stand: 24. September 2026